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Vielleicht ein Neuanfang.

Heute passiert es. Ich gehe da rein und stelle mich mir. All meinen Unzulänglichkeiten. Ich miste jetzt mal richtig aus.
Als ich vor einem Jahr die Psychotherapeutin aus der Klinik,die ich besuchen durfte, am Tresen des Möbelgeschäfts wiedertraf, konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich ihr heute wieder gegenüber sitzen werde.

Ich bin aufgeregt. Bin ich überhaupt krank genug für eine Therapie? Spinne ich nur etwas? Stelle ich mich nur an?  Wenn ich meine Unsicherheit überspiele, finden mich doch alle ganz liebenswürdig. Wie ich so die Augen aufreiße und in der Tonlage eines Kindes spreche. Liebenswürdig, niedlich, putzig. Klingt doch gar nicht schlimm.

Sie bittet mich rein und ich darf mir einen Stuhl aussuchen. Ich setze mich auf die Seite mit den Taschentüchern, das scheint mir sinnvoll.
„Ja.“, sagt sie ausatmend, rutscht sich auf ihrem Stuhl in Position, drückt die Mine des Kugelschreibers aus dem Stift und schaut mich an.
Ich lächle und nicke. Diesen Moment konnte ich noch nie leiden. Warum kann sie mir keine Frage stellen. Ich bin doch hier um alles zu erzählen. WO soll ich denn nur anfangen?
„Ich…. ich kann mich gerade nicht ertragen und brauche Hilfe.“, schleudere ich die Worte nur so aus mir raus.
Sie nickt, lächelt und das Gespräch nimmt seinen Lauf.
Ich erzähle mich die nächsten 50 Minuten wund. Versuche alles was mich quält aus mir rauszulassen. Manchmal hakt sie nach, sie hilft mir meine Worte bewusster zu wählen, dadurch werde ich mir meiner Gefühle bewusster.
Ich kann all die Dinge erzählen, die mich beschäftigen und mir das Leben schwer machen, ohne, dass jemand lacht, die Augenbraue hochzieht, mir sagt, ich solle mich mal nicht so anstellen, schließlich wäre jeder mal traurig.
Sie nickt nur, hakt nach und ich muss mich für nichts schämen. Hier ist mein Irrsinn meine Realität. Der einzige, der hier bewerten darf, bin ich.
Nach 50 Minuten beenden wir das Gespräch und sie fragt, ob ich Fragen habe.
„Meine einzige Frage, kann ich mir selbst beantworten.“, sage ich.
„Und?“, fragt sie.
„Ich frage mich, ob ich mich nur anstelle oder ob ich wirklich ein Problem habe. Aber wenn ich nicht zufrieden bin, dann habe ich doch ein Problem.“
„Leiden Sie?“
„Ja.“
„Dann ist doch alles klar. Wir sehen uns nächste Woche.“

Ich hab im Gespräch gesagt, ich hätte  vergessen wie sich glücklich sein anfühlt.
Als ich die Praxis verließ hatte ich so eine Ahnung.

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Ein Mann. Eine Wahl.

Ein wenig ertappt habe ich mich gestern gefühlt, als ich meine Wahlberechtigung aus dem Briefkasten zog. Oberbürgermeisterwahl. Ende des Monats. Wie sieht der amtierende OB eigentlich nochmal aus? Alt und grau. Soviel steht fest.
Als ich vor drei Jahren hierher zog, dachte ich beim Hochtragen der Kartons auch daran, dass ich nun in einem anderen Bundesland wohne und was ganz anderes wählen muss. In Hamburg hatte ich Orientierung über gut/ böse und wählbar/ unwählbar und Nazis. Dass ich mich da unbedingt informieren muss, dachte ich mir. Und nun drei Jahre später schaue ich noch immer jeden Abend Hamburg Journal, beschäftigt mich Hamburger Politik, ärgerte ich mich darüber nicht gegen Olympia abstimmen zu können.
Hier in Norderstedt habe ich nicht das Gefühl, dass irgendwas schief läuft. Draußen ist es schön, man könnte nackig nachts nach Hause gehen und das einzige was passieren wird, ist das dir jemand ein Handtuch bringt. Sogar in den Ämtern ist es nett, das Lokalfernsehen berichtet vor allem über Spendenläufe, Vereine und andere gemeinschaftliche Themen. Und über Einbrüche. Aber was kann ein Oberbürgermeister dagegen machen? Soweit ich es mitkriege, geht es hier sogar den Flüchtlingen gut und es werden einige weiterführende Unterkünfte in der Stadt gebaut. Soweit so toll.
Oberbürgermeister Grote scheint hier also alles voll im Griff zu haben. Was bieten denn die anderen Kandidaten? Wofür stehen sie und vor allem, welcher ist nicht in der CDU?
Google an. „Oberbürgermeisterwahl Norderstedt Kandidaten“:
– Grote
– Grote
– SPD stellt keinen Kandidaten. Klick.
Die SPD ist so zufrieden mit Herrn Grote, dass sie dieses Mal auf eine eigene Kandidatur verzichten. 
„Der Oberbürgermeister ist in erster Linie Chef der Norderstedter Verwaltung mit ihren etwa 1.200 Mitarbeitern“, erklärt die SPD Vorsitzende. „Wir haben in den vergangenen 18 Jahren sachgerecht und ergebnisorientiert mit Herrn Grote zusammen gearbeitet und gehen davon aus, dass dies auch zukünftig so sein wird.“

Ich wähle also die Abteilungsleitung? Den Stromberg der Verwaltung? Einen Job, den scheinbar außer Herrn Grote niemand ausführen will.
Ich suche weiter, doch ich finde nichts. Verwirrt rufe ich im Wahlamt an und lasse mir meine leise Ahnung laut bestätigen. Es tritt nur Hans- Joachim Grote zur Wahl an.
„Was wähle ich denn dann auf dem Zettel? Ja oder nein?“, frage ich.
„Ja.“, sagt der Mann aus dem Amt.
„Nur „ja“? Das ist doch verfassungswidrig! Erich hörst du das?“
„Zwischen ja und nein!“
„Achso. Danke.“

Tatsächlich. Sogar in dem 1000 Seelen Dorf meiner Eltern findet sich alle paar Jahre jemand, der sich in einer schwachen Minute in die SPD eingetragen hat und als einziger Vertreter der Partei zur Wahl tritt. Es gibt sogar unparteiliche, die aus irgendwelchen Gründen (meist Rachegefühle) sich zur Wahl aufstellen. Auch wenn es aussichtslos ist.
Und hier? Hier weht eine Wüstenhexe durchs Rathaus. Ist Grote der, der als letzter einen Schritt zurück getreten ist, als jemand „Wer will?“, fragte.

„Und mal angenommen, der Großteil wählt „nein“?“
„Da müssen Sie dann in den Wahlbestimmungen nachlesen.“, sagt der Mann aus dem Wahlamt.
Sie sind auf diesen Fall scheinbar gar nicht vorbereitet. Warum auch?

Obwohl er niemanden zu bekämpfen hat, stellt H-J Grote riesige Plakate mit seinem Gesicht auf. Wahrscheinlich nur, damit alle wissen, dass überhaupt Wahl ist!
„OB Grote startet Wahlkampf“, titelt NOA4 in den Nachrichten.
Wahlkampf? Kampf? Gegen wen? Was muss das für ein Gefühl sein, nur für sich und gegen niemanden zu kämpfen? Hat das ein Politiker verdient? Ist das nicht das gleiche, wie Eisbären allein im Käfig zu halten?
Warum tut OB H-J Grote sich das an? Weil er sein Büro nicht ausräumen will? Kann ich verstehen. In 18 Jahren sammelt sich ja auch einiges an. Zur nächsten Wahl wird es wohl interessanter. Dann ist Herr Grote 67 Jahre alt und will in Rente gehen. Vielleicht wird dann an den Urnen gewürfelt!

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Balu.

Ich glaube jeder hat diesen einen Menschen in seinem Leben. Diesen Menschen, für den wir bereit sind, alle Zelte abzubrechen. Wenn er vor der Tür steht und fragt, ob wir mit ihm gehen, zweifeln wir nicht lange.
Auch wenn wir schon lange nichts mehr miteinander zu tun haben. Wenn die Beziehung mit dieser Person in die Brüche ging oder sie nie zustande kam. Aber da ist dieses Gefühl. Wie ein Steinschlag im Herzen. Wenn man an seiner Tür vorbei fährt, den Film guckt, den man damals zusammen sah oder der erste Schnee fallt.
Man denkt beinah täglich an ihn. Er hat etwas hinterlassen. Etwas Unbeendetes, das nun in uns herum schleicht.

Ich trage diesen Gedanken schon lange in mir rum. Jana Seelig hat dazu etwas niedergeschrieben und als ich es las, wollte ich laut aufschreien und „Ja!Genau so!“ brüllen.
Doch eine Lösung kennt sie wohl leider auch nicht.
Ich würde mit meinem „Kryptonit- Menschen“ nicht mehr zusammen sein wollen. Aber ich wäre gerne Teil seines Lebens. Er fehlt mir als Freund.

http://www.beziehungsweise.de/ratgeber/liebe-emotion/wir-haben-alle-einen-kryptonit-menschen-in-unserem-leben/

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Du siehst gar nicht so irre aus.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Wartezimmer von Neurologen und Psychiatern immer wohnlich aussehen. Mit kleinen Sofas, Lampen mit Quasten oder Fransen oder sogar wie hier mit einer Anrichte mit Klappe aus Kirschholz. Schnapsschrank habe ich sowas immer genannt. Auf dem Schnapsschrank stehen Wassergläser.
Das Oma- Trudes- Wohnzimmer- Ambiente inklusive Geruch beruhigt mich kein Stück weit. Denn ich bin aufgeregt und kann meine Gedanken nicht sortieren.

Aus dem wohnlichen Wartezimmer geht es ins antiseptisch riechende Behandlungszimmer.

„Sie haben also was mit der Hand.“, sagt der alte und bärtige Arzt und setzt sich. Er holt einen Stift aus seiner Kitteltasche und notiert das Datum in meine Karteikarte.

„Nein. Nicht ganz. Ich habe Angst. Aber klingt ja auch ähnlich.“, sage ich.

„Wie meinen Sie das?“, fragt er und lehnt sich im Stuhl zurück.

„Mir wurde vor Jahren eine Angststörung diagnostiziert und…“

„Also ich sage Ihnen gleich, viele Wissenschaftler sind sich einig: Es gibt keine Angststörung, nur Personen, die sich mehr fürchten als andere.“

„Wie dem auch sei. Mir geht es wieder schlechter, was sich auf mein Privat- und Berufsleben auswirkt und ich würde gerne wieder Medikamente nehmen. Zum Übergang bis ich einen Therapieplatz habe.“, sage ich und rutsche unruhig auf dem Stuhl herum.

„Ich sage Ihnen was, ich kann Ihnen nicht helfen. Heute ist mein letzter Arbeitstag vor der Rente.“

Warum hat man mir dann überhaupt einen Termin gegeben? 1,5 Stunden saß ich im Wartezimmer, nur um mir das erzählen zu lassen?

„Aber Sie könnten mich wenigstens anhören. Ich habe ja schon Erfahrungen mit Medikamenten und weiß was mir hilft. Mein Hausarzt darf mir nichts verschreiben. Darum sollte ich zum Psychiater gehen und Sie sind einer.“

„Hausarzt…“,  murmelt er und umkringelt dessen Namen in meiner Karteikarte.

„Ja, also mit Citalopram…“

„Sie kommen hier rein und packen sich selbst in eine Schublade. Angststörung!“

Knall. Er haut mit der Faust auf eine Kommode, die hinter ihm steht.

„Bestimmt auch noch furchtbare Kindheit.“

Knall. Das Bild von Papst Ratzinger wackelt bedenklich auf der Kommode.

„Und dazu vielleicht noch Alkoholabhängiger Vater.“ Knall.

„Mein Vater trinkt seit Jahrzehnten nicht, Sie kennen mich doch gar…“

„Ich kenne Sie doch gar nicht und was wollen Sie von mir?“

„Das hab ich ja schon erklärt. Ich gehe auch bald ins Praktikum und will dafür emotional stabil…“

„Was machen Sie beruflich?“

„Ich gehe ins zweite Halbjahr in der Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistentin.“

„Wie alt sind Sie?“, erst jetzt bemerke ich, dass er meine Karteikarte schon weg gelegt hat.
„Sechsundzwanzig sind Sie! Warum sind Sie so spät dran mit der Ausbildung ?“

Mit der salzigen, ganzen Hand einmal rein in die kaum verschorfte Wunde.

„Ich hab mit achtzehn Jahren eine Ausbildung zur Ergotherapeutin angefangen und nicht beendet wegen der Angst…problematik, die aufkam und nun fange ich nochmal neu an.“

„Sie müssen wissen und sich gut überlegen, ob das sinnhaftig ist. Ein Dachdecker darf keine Höhenangst haben. Was nützt ein Chirurg, der kein Blut sehen kann? Sie verstehen doch was ich meine…“
Und nun mit Anlauf in die andere Wunde noch mal rein und immer ordentlich drehen den salzigen Finger.

„Ich bin Klassenbeste und weiß was ich da tue.“

„SO UNPROFESSIONELL! Das sag ich Ihnen auch für Ihren Beruf. Wie Sie sich da in Schubladen packen, machen Sie das später auch so, werden Sie keinen Erfolg haben!“

Schnapp. Da höre ich eine, meine, Hutschnur platzen.

„Ich sehe schon, wir kommen hier nicht zusammen und ich muss mich hier…“

„Setzen Sie sich!“

„Nein! Frohe Weihnachten!“

Ich erzähle die Geschichte einem Freund und brülle dabei gegen den Wind an, der in unsere Kapuzen pfeift.

„Davon abgesehen, dass der Typ ein Idiot ist, siehst du aber auch nicht psychisch krank aus.“

Ich bleibe stehen.

„Wie sieht ein psychisch Kranker denn aus? Zuckende Augen, deformierter Rücken und Sabber in den Mundwinkeln?“

„Ja, nein. Hast ja Recht. Andere spielen täglich auf den verschiedensten Bühnen Deutschlands und sehen glücklich aus. Dabei haben Sie Panikattacken. Hätte bei Nicholas Müller auch niemand gedacht.“

——

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass nur Leute, die selbst von irgendeiner psychischen Erkrankung betroffen sind, erkennen, dass ich einer von ihnen bin.
Viele sind völlig überrascht oder  entgeistert,wenn ich erkläre, warum ich manche Sachen nicht machen kann. Wenn ich erkläre, dass ich in einen Bus nicht einsteige, weil er mir zu voll ist, gucken mich meine rund 18- jährigen Schulkameraden komisch an und lachen aus Ratlosigkeit. Wiederum andere vergessen auch, dass da was mit mir ist. Weil ich diese perfekte Maske habe, die öffentlich nicht bröckeln darf. Nicht auszuhalten sich vorzustellen, dass sie das tut.
Diese Maske aufrecht zu erhalten, ist so anstrengend, dass ich privat keine Kraft mehr dazu habe. Dann kann ich mich nicht mehr verstellen, so schwer das für mir nachstehende Personen auch ist.
Die Möglichkeit das perfekte Schauspiel hinzulegen, ist mir Gold wert. Sie sichert mein Überleben da draußen. Doch wenn ich wirklich Hilfe brauche, erkennt das kaum jemand. Wer guckt einem schon in die Augen?
Dann sieht es plötzlich so aus, als bräuchte ich Aufmerksamkeit. Als würde ich das alles nur erfinden, um mich vor mir unangenehmen Situationen zu schützen. Und dann wird es schmerzhaft.
Dann fühlt man sich so unglaublich unverstanden.

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Nazis. Nazis. Nazis. Aber warum? Eine (ost-) deutsche Leidensgeschichte.

„Nach der Wende hat sich alles geändert. Ich habe in der Automobilindustrie gearbeitet. Hab mich bis zum Schichtleiter hochgearbeitet. Ich war anerkannt und hatte was zu sagen. Dort habe ich auch meine Ex- Frau Petra kennen gelernt. Sie hat dort im Betriebskindergarten gearbeitet. In der Kantine haben wir uns dann kennen gelernt. Es folgte die Hochzeit, die erste gemeinsame Reise in die UDSSR und 1987 dann die Geburt unseres Sohnes Rico. Dann die Wende. Wir haben die Bilder damals im Fernsehen gesehen. Aber was sie für uns bedeuten würde, das war uns nicht klar. Wir fuhren nach Bayern zu Petras Familie und genossen die neue Freiheit. Doch Sachsen sollte unser Lebensmittelpunkt bleiben. Hier hatten wir unsere Arbeit und unsere Freunde. Rübermachen kam nie in Frage. 
Doch schon wenige Jahre nach dem Mauerfall begann sich alles zu ändern. Unserer Firma ging es nicht gut. Keiner wollte mehr ostdeutsche Mobile fahren. Alle wollten einen Volkswagen. Infolgedessen wurde unser Werk von einer westdeutschen Firma aufgekauft. Von Umstrukturierung wurde uns zwar erzählt, jedoch sollten alle ihren Arbeitsplatz behalten können. Aufgrund der neuen Struktur bekam ich einen Vorgesetzten. Einen Italiener. Jung und studiert. Ich sagte, dass man für die Handgriffe am Fließband ja wohl nicht studiert sein müsste. Nein, ich mochte ihn nicht. Mit seiner Überheblichkeit und Arroganz. Der junge Spund aus Schießmichtot will mir, einem gestandenen Mann, erklären wie man Autos baut! Eine Unverschämtheit. Noch dazu kamen die ganzen neuen Geräte. Wie sollte ich das je noch lernen. Mit den alten ging es doch auch! Ich kam mit der Technik nicht mit. Mehrmals sagte der Italiener zu mir, dass das ja nicht so schwer sein könne und wurde aufbrausend. 
Den Stress konnte ich schlecht ertragen. Ich blieb abends länger in der Kneipe und kam spät heim. Damit begann auch der Ärger mit Petra. 
Zuerst wurde die Betriebs- KiTa geschlossen. Einsparmaßnahmen waren der Grund dafür. In der DDR hätte es sowas nicht gegeben. Es gab dort keine Arbeitslosigkeit. Und wenn die Betriebsstätte hätte geschlossen werden müssen, dann wäre man anders untergekommen. Petra blieb nun daheim bei Rico. In seiner Schule gab es keine Nachmittagsbetreuung und kein Mittagessen. Darum mussten wir uns kümmern. 
Somit musste ich für uns drei das Geld verdienen. Ich legte Sonderschichten ein. Kam noch später nach Hause und brauchte noch mehr Bier um runterzukommen. Es brach nun fast täglich Streit aus. Es wurde laut und aggressiv. Was Rico davon mitbekam kann ich nicht sagen. 
In der Firma arbeiteten immer mehr Ausländer. Von überall kamen sie her, sahnten das Geld ab und brachten es heim zu ihren Familien. Die machten sich mit dem Geld einen Bunten und wir, die Deutschen, krebsten mit unserem bisschen rum! 
Viele der Einheimischen und Alteingesessenen verließen selbst das Werk um rüberzumachen. Das kam natürlich Recht. Denn die Ausländer und Jungen waren günstiger. 
Mitte der Neunziger schloss das Werk dann ganz. Woanders war es günstiger. 
Noch immer wohnte die große Mehrheit des Werkes in unserer Stadt. Mit einem Mal war also ein Viertel der Stadt arbeitslos. Daraufhin verließen wieder viele Familien die Stadt. Geschäfte schlossen. Häuser standen leer. 
Nach einem erneuten Streit packte Petra Rico und ihre Sachen und zog aus. Es machte doch alles keinen Sinn mehr. Nur die Ausländer. Die haben immer wie die Maden im Speck gelebt. Prost.“ 

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„Als meine Eltern sich getrennt haben, bekam ich alles mit. Die Streits, das Geschrei, die Prügel. Irgendwann sind wir ausgezogen. Seitdem habe ich ihn nie wieder gesehen. Will ich auch nicht. Ich hab dem Nichts zu sagen. Damit wir überleben konnten, putzte meine Mutter und arbeitete im Supermarkt an der Kasse. Wenn ich heim kam, musste ich mir nun selbst etwas zu essen machen und mich um meine Hausaufgaben kümmern. Das interessierte mich aber nicht. Meistens ging ich mit zu Mirko nach Hause. Da gab es Essen und wir durften an alten Autos rumschrauben. Oft kamen Freunde von Mirkos Vater zu Besuch. Meistens auf ihren Motorrädern. Viele hatten starke Tattoos und sahen gefährlich und interessant aus.
Meine Mutter machte immer Stress wegen Schule und sowas. Also kam ich kaum noch nach Hause. Mirkos Vater organisierte Ferienfreizeiten und Feste für uns Kinder. Auch zum Fußball nahm er uns mit. Dort lernten wir wie man sich als Deutscher zu verhalten hat. Wir marschierten und spielten Kriegsspiele. Machten selbst Feuer genossen das Beisammensein. Die Kameradschaft. Alle für einen. Einer für alle. 
Einmal nannte mich Mirkos Vater einen echten Arier. Ich war sehr stolz. Das war auch der Abend an dem er uns zum ersten Mal mit in seiner Stammkneipe nahm. Ich war schon stark betrunken, als wieder Heim fuhren. Da war dieser Kanacke, der uns so anstarrte. Ich zog ihm meine Flasche über den Kopf! Mirko und sein Vater johlten. Ein aufrechter Kamerad sei ich. 
In der Schule ließ ich mich kaum noch blicken. Ich fühlte mich dort eh wie ausgeschlossen. Mein Leben fand woanders statt. Was sollte ich dort auch lernen! Hier gab es doch ohnehin nichts. Für jede Arbeit musste man kilometerweit fahren. Hier gab es nichts. Als hätte man uns vergessen. Alle reden nur über die anderen. Unsere Kinder haben keine KiTa- Plätze, keine Arbeit. Aber die Ausländer! Um die wird sich gekümmert.“

— 

„Rico war immer ein guter Junge. Vielleicht hatte ich nie genug Zeit für ihn. Wegen der vielen Arbeit. Aber irgendwo musste das Geld ja her kommen. Vielleicht hat ihm auch einfach eine Vaterfigur gefehlt. In der Pubertät wurde es richtig schlimm. Ich erreichte ihn kaum mehr. Irgendwann kam er kaum noch nach Hause und wenn, dann schloss er sich in seinem Zimmer ein und drehte die Musik auf. Landser. Das hörte er immer. Es hingen komische Fahnen in seinem Zimmer und viele eiserne Kreuze hatte er auf die Tapete gemalt. Anfangs war er noch oft im Jugendzentrum unterwegs. Doch dann wurde das geschlossen und Mirko kam in seine Klasse. Viele seiner anderen Freunde zogen weg. Doch Mirko blieb. Und damit verlor ich meinen Sohn. Er war doch immer ein guter Junge.“ 

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Dies ist das ausgedachte und überspitzte Beispiel einer ostdeutschen Familie vor und nach der Wende 1990. 
Wir haben in Deutschland ein Nazi- Problem. Keine Frage. Es beschränkt sich auch nicht nur auf den Osten, auch im Westen haben viele Familien etwas Ähnliches erlebt. Ein Grunddeutsches Phänomen ist für mich die Missgunst. Das Gefühl, dass alle viel mehr vom Kuchen bekommen als wir selbst. Und dies sehen wir in Regionen, in denen die Wirtschaft nach und nach einbrach, vermehrt.DIE bekommen ja alles hinterher geworfen und nehmen UNS die Arbeitsplätze weg. Es wird berichtet aus Landstrichen, in denen seit der Wende nichts passiert ist. Betriebe schlossen, Menschen zogen weg. Es findet teilweise keine Kultur statt. Kultur ist ein Mittel zum Austausch, zum Kennenlernen und zum Verständigen. Das findet dort wenig bzw. nicht statt. Die Menschen dort sind frustriert und leben teilweise von der Hand im Mund. Und dann kommen dort Asylsuchende in ihre Stadt und die haben Sachen, die sie und ihre Kinder sich nicht leisten können. Ob die Sachen gespendet und schon von wem anders totgetragen wurden, ist egal. Auf der Hose steht „G- Star“. Warum kann dieser Typ sowas haben und sie nicht? Warum kümmern sich jetzt alle um diese Menschen und um kümmert sich hier niemand? Und haben wir nicht an Papas Stammtisch gehört, dass die da alle Frauen vergewaltigen und Kinder essen? 
Und wenn der einzige Fußballverein von einem frustrierten Nationalisten trainiert wird, welche Chance hat das Kind dieser Ideologie nicht zu verfallen? Den Fußballverein kann man auch ergänzen durch KiTas und ihre Erzieher, Jugendzentren und allen anderen Orten an denen Kinder zu Erwachsenen aufblicken. 
Die Politik weiß um den Missstand. Man sieht die rechten Tendenzen seit Jahren steigen. Doch es passiert nichts. Die Aufklärung durch Aktivisten, die vorne an der Tafel was erzählen, kommt nicht gegen das an, was die Kinder und Jugendlichen von den Bezugspersonen lernen. 
Da hat die Politik ganz doll verpennt und nun haben wir den Nazi- Salat. Dieses Problem ist ein hausgemachtes. Es hätte früher erkannt werden können, wenn man denn gewollt hätte. 

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Reisetagebuch Tag 4 Gdańsk (Danzig)

Um 7 Uhr spuckt mich die Matratze unter Schmerzen aus. Das Auto ist noch da. Die Katzen auch. Und sie machen Lärm.
Zuerst machen wir uns auf in Richtung Hafen. Die Stadt ist lebendiger als am Tag zuvor, trotzdem scheint Aufbruchstimmung zu herrschen. Terrassen von Restaurants werden renoviert und Ladenfenster geputzt. Wir angeln uns aus einer Bäckerei einen unglaublich leckeren Mohnstrudel. Er ist fantastisch. Im Bahnhof erhoffen wir uns Auskunft darüber wie wir am morgigen Tag am besten nach Sopot kommen. Die Fahrkartenautomaten, sowie die Damen am Schalter verstehen leider kein Englisch. Die Damen in der Touristeninformation sind zwar sehr freundlich, überreichen mir jedoch auch nur polnische Karten. Tatsächlich war der einzige Mann, der bisher deutsch mit uns sprach, der Mann in der Stettiner Dönerbude. Mit Englisch kommt, bis auf diese kleinen Ausnahmen, jedoch gut voran. Für die gekauften Ansichtskarten fehlen uns noch die Briefmarken. Scheinbar gibt es dafür keine Automaten, also besuchen wir das Postamt. Am Tresen hat man enorm viel Zeit. Darum ist der Wartebereich mit bequemen Sitzen ausgestattet. Direkt vor der Heizung. Nach 20 Minuten und noch immer drei Personen vor uns, kommen wir doch besser später wieder.
Es gibt in unserem Umkreis viele kleine Supermärkte. Bisher einzuordnen in der Kategorie „Tier“. Als Logo dienen Frosch, Marienkäfer und Affe auf unaufdringlichen Farben. In jedem Supermarkt gibt es die kleinen Süßigkeiten zum in Tüten abfüllen. Fertigessen sucht man vergebens, dafür wird hier gern eingelegt.
Es gibt am Rande der Rechtsstadt eine Markthalle. Auf drei Etagen wuselt es nur so rum. In der unteren Etage geht es fleischfarben zu. Überall liegen rosafarbene Körperteile in der Auslage. Der Mann ersteht ein in Kräuterbutter eingerolltes und dann in Teig gebackenes Schnitzel, das erst famos im Mund und dann schwer im Magen liegt. Es hat sich aber gelohnt. Im Erdgeschoss, sowie im Obergeschoss hängen und liegen günstige Kleidungsstücke in bunten Farben, mit oder ohne Strasssteine und eine Menge Fußballtrickots herum. Um die Halle herum kann man günstig Honig (in ganzen Waben in einem Riesenglas), Blumen, Eingelegtes, Obst und Gemüse erstehen.
Wir begeben uns auf die andere Seite des Hafens. Die Stadt ist zwar etwas belebter, aber noch nicht voll. Wir sind froh, dass wir uns so frei in der Stadt bewegen können und uns nicht durchschieben lassen müssen. Im Torbogen zum Hafen spielt eine Gruppe von Jugendlichen eine schöne Version von „Hallelujah“, die im Bogen wunderbar nachhallen. Eine andere Jugendliche filmt das mit ihrer Selfie- Stange und der Moment ist verdorben. Wir essen einen wunderbaren New York Cheesecake im Mon Balzac. Einem gemütlichen Café, in dem abends der Jazz tobt. Da wir große Piroschki und Piroggi- Fans sind, entdecken wir im Netz begeistert ein Restaurant mit vielen Sorten. Da müssen wir hin. Wir biege nin einige Seitenstraßen ein. Die Vorderseite der Gebäude, sowie die Hotels sind alle hübsch wieder hergestellt worden. Doch dort wo die Leute wohnen, in den Innenhöfen, ist das Bild ein trauriges. Eingeschlagene Fenster, teils eingefallene Fassaden. Wie eine Geisterstadt.

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Enttäuscht stellen wir fest, dass das Restaurant nicht mehr existiert. Stattdessen zog dort ein russisches Restaurant ein, das an der Tür Lautsprecher postiert und uns mit russischer Folklore beschallt. Wir gehen neugierig hinein. Rechts am Tisch sitzt die Familie am Notebook und schaut nur müde auf. Wir hängen unsere Jacken auf und gehen nach oben in den Gastraum. Die Musik wird unerträglich und das erste Mal verlassen wir ein Lokal ohne vorher auf die Karte zu gucken. Die Bedienung in ihrer traditionellen Tracht schaut uns irritiert hinterher. Das Restaurant hat soeben seine einzigen potentiellen Gäste verloren.
Enttäuscht gehen wir zurück ins Hotel und dort ins Restaurant. Und dann passiert es. So nah und gar nicht fern gab es endlich einen Ort, der Piroggen auf seiner Karte führte. Wir waren so glücklich, das konnte selbst die Horde Sachsen nicht zerstören, die plötzlich allerlei Tische zusammenschoben und anfingen zu reden. 1429126388908 1429126390667 1429126392207  1429367918555 1429432060080 1429432061602 1429432068070 1431815420789 1431815423630 1431815424350 1431815429493

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Reisetagebuch Tag 3 Szczecin-> Gdansk (Danzig)

Nach dem Frühstück brechen wir auf zu der fünf stündigen Fahrt nach Gdansk. Unser Navigationssystem ist vollständig verwirrt und geistert von allen GPS Signalen verlassen mit uns durch die vollen Straßen von Szczecin. Schweißnass erreichen wir die nächste Tankstelle und das Navi beginnt sich zurecht zu finden. Wir verlassen Szczecin durchs Hafen- und Industriegebiet. Bewusst haben wir uns für die Landstraße entschieden. Wir wollen sehen wie Polen außerhalb der Städte aussieht. Es gibt viele Äcker und Prostituierte. Am Straßenrand, an Einfahrten zu Waldwegen stehen die Damen des gepflegten Bauchtaschengewerbes in neonfarben und warten auf das nächste Geschäft. Zwischen den Feldern stehen manchmal überraschend großzügige Häuser, ja teilweise neu gebaute Anwesen. Das letzte und nächste Dorf kilometerweit entfernt. Einfach im Nichts. Manchmal sind es aber auch kleine Häuser im tristen Ostputz mit Hühnern und kleinem Garten. Es ist scheinbar nicht nötig die Hühner einzuzäunen, denn die haben ohnehin ihren eigenen Kopf und kommen abends ganz freiwillig zurück in den Stall. So picken sie öfters, manches Mal auch in Begleitung eines Hundes, am Grünstreifen herum.
Wir fahren durch die Natur und plötzlich sind wir nahezu umgeben von einem Schwarm Kraniche. In Deutschland sieht man sie ohnehin selten. Hier sind sie in großen Gruppen unterwegs und schön anzuschauen.
Zwischen den Dörfern, die manchmal auch eine halbe Stunde Autofahrt auseinander liegen, kommen uns Menschen entgegen. Wo sie herkommen und wo sie hinwollen, ist uns ein Rätsel. Vielleicht kennen die Damen mit den Bauchtaschen die Antwort. Irgendwo in der Pampa läuft ein Mann strammen Schrittes am Seitenstreifen entlang. In einer Hand eine Axt, in der anderen den leblosen Körper eines Huhnes. Nur. Nicht. Anhalten.
Am Anfang oder am Ende jeder Ortschaft steht ein großes geschmücktes Kreuz oder ein beleuchteter Schrein mit Marienstatue drin. Auch hat fast jede Ortschaft einen eigenen Friedhof. Hier werden sie nicht versteckt hinter Mauern und Efeu. Sie sind frei einsehbar und die Gräber bunt geschmückt. Auch wenn es nur Plastikblumen sind, so sollen es die Toten doch auch schön haben. Sie gehören scheinbar zum Alltag dazu. An Kirchen hängen Transparente mit dem Bild des örtlichen Pastors. Er zeigt sein bestes Zahnpastalächeln. Ein Popstar nahezu.

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Neben den großen Kreuzen sehen wir leider auch am Straßenrand viele kleine. Hier haben wohl viele ihr Leben gelassen. Obwohl wir die Straßen als angenehm empfinden. Sie sind leer und haben auf jeder Spur einen breiten Seitenstreifen auf den man ausweichen und dem Hintermann zum Überholen Platz machen kann. Oder besser gesagt, machen muss. Denn auf der Gegenfahrbahn wird teilweise riskant ausgeschert, sodass man keine andere Wahl hat, außer Platz zu machen.
Nach langer Fahrt nähern wir uns Gdynia. Uns empfängt ein wildes Sammelsurium an Werbebannern, Transparenten und Schildern. Für Imbisse, Werkstätten, Autohändler, Massagesalons und Supermärkte.
Es folgen die Plattenbauten. Teilweise bunt und neu, teilweise übel abgerockt. Wir nehmen die Abfahrt nach Gdansk und nähern uns in großen Schritten.
Am Tag davor verstarb Günther Grass. Wir fragen uns was und in Gdansk, seiner Geburtsstadt, erwartet.

Zuerst erwarten uns Häuserschluchten. Durchs Tal fahren wir in die Stadt hinein und die Trabantenstädte türmen sich um uns in die Höhe. Nach kurzer Zeit zwischen Beton und Platte kann man die ersten Backsteintürmchen der Rechtsstadt zwischen den tristen Bürogebäuden sehen. Eine krude Mischung.
Wir fahren wie das Navi es möchte in die Rechtsstadt hinein. Auf den Pflastersteinen wird es ungemütlich, wenn nicht sogar unmöglich noch weiter zu fahren. Kleine Gassen mit Schildern, die die Durchfahrt verbieten werden zum Labyrinth. Als wir kurz vorm Verzweifeln sind, kommt uns ein Polizeiwagen mit ausgestreckter Kelle entgegen. Vor 30 Jahren hätten wir mit den Bananen in der Ablage vielleicht noch punkten können. Wir erklären, dass es uns wirklich sehr leid tun und wir unser Hotel suchen. Der Polizist setzt sein strenges Gesicht ab, lacht und befiehlt ihm zu folgen. So wurden wir mit Blaulicht, aber ohne Sirene zum Hotel eskortiert.
Der Parkplatz befindet sich hinter dem Hotel und ist unbewacht. Zugegeben, nicht ganz. Eine Horde Katzen scheint den Parkplatz voll im Griff zu haben und lümmelt dort faul herum. Uns ist etwas mulmig, doch wir beruhigen uns schnell. Denn neben uns parken zwei Mercedesse (Mercedi? Merceden?) und wir hoffen einfach, dass die größeres Interesse wecken, als unser Kangoo. Man kann die ersten Patrizierhäuser und die Marienkirche sehen. Wundervoll.

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Wir checken ein und das Zimmer ist wundervoll groß und geräumig. Das Toilettenpapier ist flauschig und ab 3 Sternen hat man wohl Anspruch auf eine Klobürste!
Plötzlich wildes, polnisches Gerufe. Auf dem Parkplatz streift die Crazy Cat Lady herum und serviert den Katzen das Mittagessen. Sie haben den Parkplatz wirklich im Griff.
Die Neugier und der Hunger treiben uns raus in den Regen. Die Straßen sind wie ausgestorben. Auch hier gibt es keine richtige Einkaufsstraße und wir finden uns für einen kleinen Lückenfüller in einer Mall wieder. Auf dem Weg dorthin haben wir aus Versehen schon fast alles gesehen.
Die Häuser sind nach dem Krieg teilweise mit Backsteinen, teilweise nur mit buntem Beton wieder hochgezogen worden. Guckt man auf Augenhöhe sind die meisten Häuser hübsch hergerichtet. Schaut man nach oben, sieht man viel Leerstand und zersprungene Fensterscheiben. Alles wirkt wie eine Filmkulisse. Auch weil im April scheinbar noch niemand hier ist. Im Sommer ist hier wohl einiges los. Auf den Straßen herrscht Leben. Noch wird gefegt.
Doch im Regen stehen trotzdem Studenten mit Speisekarten in den Händen und versuchen einen in das Restaurant zu locken, für das sie werben. Da wir das ziemlich anstrengend und nicht unterstützenswert finden, stranden wir beim Alanya Kebab. Wir hoffen, dass die Kunde des guten berliner Döners sich bis hier hin verbreitet hat und bleiben auf eine Dönertasche mit Gabel, Weißkohl und saurer Gurke. Ich schaue an die Wand zu meiner Linken. Lukas P. und Mesut Ö. schauen auf mich herab. „Lukas Podolski und Mesut Özil sind beeindruckt: Es schmeckt wie in Deutschland!“ Na dann. Können Mesuts Augen lügen?
Erschöpft kehren wir ins Hotel zurück und versinken in die viel zu weichen Matratzen. Jetzt wo es dunkel wurde, überkommen uns Zweifel. Ist das Auto sicher? Sollen wir es lieber zu dem bewachten und teuren Parkplatz bringen? Wollten wir die Klischees nicht eigentlich hinter uns lassen? Grübelnd schlafen wir ein.

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