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Das Tier.


In seiner Wohnung angekommen lasse ich mich auf seine Matratze fallen. Ein Bett besitzt er nicht. Ebenso steht in seinem Zimmer kein Schrank. Die einzige Dekoration ist der volle Aschenbecher. Hätte schlimmer kommen können. Etwas in mir bezweifelt das.
Plötzlich kommt etwas ziemlich Erbärmliches ins Zimmer getrottet. Ich schrecke zusammen und starre es an.
Es ist recht klein und bewegt sich auf vier Pfoten fort. Es setzt sich in die Türschwelle und starrt mich ebenso erschrocken an, wie ich es anstarre.
Es hat große Glubschaugen und aus dem Maul ragen zwei Zähne. Noch immer starrt es mich an. Nun macht es das Maul auf und scheint zu gähnen. Langsam schwebt eine Wolke üblen Geruchs zu mir herüber. Es riecht wie der Flur im Altenheim nach dem Essen. Das vermeintliche Tier bewegt sich auf mich zu und streift schnurrend an meinem Bein entlangt. Das Fell ist braun-weiß-schwarz. Viel wichtiger ist aber, dass dieses Geschöpf kreisrunden Haarausfall oder ein anderes medizinisches Problem hat.
Ich kann nicht anders und versuche es mit aller Kraft loszuwerden ohne es dabei aus Versehen aus dem Fenster zu werfen. Ich schüttele mein Bein, doch je mehr ich versuche mich zu wehren, desto lauter schnurrt es.
Es scheint also eine Katze zu sein. Na toll, denke ich. Ich mag doch keine Katzen. Ekelhaft. Ich schaue es an und es schaut mir genau in die Augen. Großartig, denke ich. Jetzt ist es vorbei mit mir. Es wird mich töten. Ich schaue genauer hin und entdecke eine Fehlstellung in den Augen. Es schielt. Wie dämlich es doch aussieht. Die Schnurrhaare sehen auch so aus, als hätte sich jemand beim Geschenke einpacken vertan und mit der Schere die Schnurrhaare verkräuselt. Ich muss ein bisschen hysterisch lachen. Die Katze lässt von mir ab und Max betritt den Raum.
„Ah du hast Möpsi schon kennengelernt.“ „Ja, Möpsi…“, sagt er und lockt dieses Ding auch noch an, nimmt es auf den Arm und setzt sich damit zu mir auf die Matratze.
Ich schaue Möpsi immer noch entgeistert an. Max scheint das falsch aufzufassen. „Du darfst sie natürlich auch mal streicheln.“, sagt er und setzt mir Möpsi auf den Schoß.
Ich atme tief durch und beginne den Rest Fell, der dieses Tier noch kleidet zu streicheln. Sie fühlt sich so an wie sie aussieht. Meine Hände sind nun ziemlich fettig und dreckig. Zum Glück bleibt sie nicht lange bei mir und bewegt sich aus dem Zimmer heraus in den Flur. Es setzt sich ungeschickt vor den Fressnapf und macht ein klägliches Geräusch, welches irgendwo zwischen quietschender Tür und Feuerwehrsirene einzuordnen ist.
„Will Möpsi Fressi- Fressi machen?“, fragt Max und steht auf.
Männer mit Katzen sind ein Thema für sich. Nichts ist unmännlicher als ein Mann der mit hoher Stimme „Will Möpsi Fressi- Fressi machen?“ sagt. Unvorstellbar mit diesem Mann Kinder großzuziehen. Die Kinder sehen bestimmt auch aus wie diese Katze.
Die Haustür geht auf und zwei Frauen betreten lachend die Wohnung.
Nachdem sie sich kurz mit Max unterhalten haben, legen sie ihre Sachen ab und wenden sich mich zu.
„Ach Larissa. Das sind Moni und Tanja. Meine Mitbewohnerinnen.“
„Ah hallo. Ich bin Larissa.“
„Ja. Die neue.“, sagt Moni, die ihres Zeichens einen extremen Überbiss hat.
„Ja. So ungefähr.“, sage ich.
„Wir waren auch mal mit Max zusammen. Ist aber schon ein Weilchen her. Du musst dich also nicht komisch oder so fühlen.“
Möpsi miaut, Moni und Tanja lachen. Max sagt irgendwas mit „Kleine Überraschung.“
Ich wiederum erzähle was von dringendem Telefonat, nicht böse sein und sich bloß niemals bei mir melden, ziehe mich auf den Weg zur Bushaltestelle an und fahre nach Hause.
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