Ein Kommentar

Darf man darüber lachen? Ethik in der Krise.


Darf man darüber lachen?

Eine oft gestellte Frage. Manchmal frage ich mich das auch.
Eigentlich widerspricht es dem ethischen Anspruch, der uns von Haus aus eingebläut wird. „Darüber lacht man nicht.“ „Das darf man nicht.“
Wer ist dieser „man“? Und warum bestimmt er was ich darf und was nicht?
Dieser „man“ ist die Moral und die Moral ist mächtig.
Verhält man sich unmoralisch fällt man auf. Und das wollen wir auf Dauer nicht. Dann sind wir unsozial, nahezu asozial. Wir passen nicht in ein für uns fertig gestricktes Muster. Eine Laufmasche in der Strumpfhose der Gesellschaft.

Aber was passiert, wenn wir über Nazis, Katholiken, Naturkatastrophen und Mord lachen?
Ein häufig auftretender Reflex ist der Sarkasmus. Und das ist interessant. Sarkasmus benutzt der Mensch um Situationen, die ihm unangenehm erscheinen, ihn bedrohen, klein zu machen. Unser Über – Ich sagt „Also…. das geht doch nicht.“ Um die Situation für unser Über – Ich angenehmer zu machen, lachen wir einfach.
Wir lachen so lange bis die Situation, die Person kein riesiges Schwert mehr in der Hand hat, mit dem es uns bedroht. Sondern einen Zahnstocher. Denn der tut weniger weh.

Was passiert also wenn man über Nazis, Katholiken, Naturkatastrophen und Mord lacht? Man macht die Situation klein. Ungefährlich. Lächerlich.
Und genau darum ist es wichtig auch über bedrohliche Sachen zu lachen.
Wenn man nicht mehr über Nazis lachen kann, was soll man sonst mit ihnen tun?
Sie ernst nehmen? Wohl kaum. Das steht ihnen nicht zu.

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Ein Kommentar zu “Darf man darüber lachen? Ethik in der Krise.

  1. Entscheidend ist auch, wer etwas sagt. Wenn Serdar über Schwule lästert, dann lache ich gern. Wenn ein Fremder in der Bahn sich über Schwule auslässt, eher nicht.

    Serdar unterscheidet, dass er als Schauspieler eine Rolle spielt. Es ist nicht seine Meinung, sondern die bewusste Provokation einer Kunstfigur.

    Daher ist es für mich auch kein richtiger Sarkasmus, da der Vorsatz einer Beleidigung in der Kunst untertaucht, wenn er denn überhaupt vorhanden war.

    Lachen bei Serdar ist für mich weniger eine Reaktion auf die Ohnmacht vor schlimmen Dingen oder einem Werteverfall, sondern vielmehr eine Form von Befreiung. Ein Ausdruck der Erleichterung, dass, um es mit Serdars Worten zu sagen, ausgesprochen wird, was sich andere nicht zu denken trauen, um an festgefahrenen (ethisch „verschuldeten“) Assoziationen zu rütteln, deren Sinnhaftigkeit und zeitgemäße Verwendung zu hinterfragen.

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