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Das Ding hat keinen richtigen Titel, aber ordentlich Inhalt.


Bin ziemlich betrunken.
Die Bullen waren auch schon da. Der Nachbar hat sich mal wieder beschwert, aber das kennt man ja schon und nicht anders.  Trotzdem sollen sie nett gewesen sein. Ich weiß das nicht. Als sie da waren war ich irgendwo anders. Auf Nahrungssuche vielleicht. Aber eher nicht. Ich war eher noch mehr trinken oder auf Toilette oder beides.
Jetzt wollen sie plötzlich alle los. Partyauftakt für den CSD oder so. Keine Ahnung. Auf jeden Fall sagt der eine, dass er nicht will, dass ich mitkomme. Keine Begründung. Will sie auch nicht hören. Wahrscheinlich bin ich zu hetero. Oder trage das Gesicht der Schande.
Ich fahre in Richtung nach Hause. Steige plötzlich aus, kaufe mir im Kiosk noch ein Bier. Das soll es schon gewesen sein? Ich bin derbe gut drauf! Will weiter machen!
Rufe eine Freundin an. Es ist halb drei.  Sie kann ohnehin nicht schlafen. Wir verabreden uns vorm Knust und plötzlich lacht der langhaarige Mann, der auch vor dem U- Bahnhof steht.
„Lachst du gerade über mich, langhaariger Mann?“
Er sagt, er hätte das Gespräch unfreiwillig mitgehört und fand das unheimlich lustig.  Er hätte dasselbe Ziel. Wir unterhalten uns. Ich erzähle wie ich meine Wohnung verlor. Die ganze Geschichte. Bin ungeheuer ehrlich. Selbst zu mir. Ich hab mein Leben einfach in den Sand gesetzt.
Er sei 33 Jahre alt und studiere Soziologie.  Oder Soziopathie. Irgendwas mit Menschen.
Ich haue mein ganzes Fachwissen über Prekariat, Sozialisation und Milgram- Experiment raus. Wir verstehen uns.
Er fragt, ob ich auch mal ziehen möchte und irgendwas ist anders. Gras. Mein erster Joint. Warum eigentlich nicht? Bin eh schon völlig fertig.
Auf der Bahnfahrt diskutieren wir warum die Grünen überbewertet werden. Was Joschka Fischer so macht und warum die Partei keine vielversprechenden Gesichter mehr hat.
Wie wir da so vor dem Knust stehen und der Langhaarige neues Bier besorgt kommt auch schon meine schlaflose Freundin. Großes Trara. Wie sollte es auch sonst sein. Es ist schön sie zu sehen. Sie sagt immer so schlaue Sachen. Leider merkt sie es manchmal gar nicht.
Schnell tauschen wir die Neuigkeiten aus. Lachen derweil auch, oder gerade ,wenn es nicht angebracht ist.
Der Langhaarige erklärt zwischendurch, er hieße Stephan. Mit ‚ph‘. Ich antworte, dass das ‚ph‘ wichtig sei. Stefans mit ‚f‘ wissen ja nicht mal wie man ihren eigenen Namen schreibt. Sie könnten ihn schon gar nicht tanzen.
Wir reden durcheinander. Ich entdecke ein Bild eines Eulengesichtes und bin fasziniert. Wie die Eule mich anschaut. Als wisse sie genau wie schlimm das alles im Moment wirklich ist. Ich beschließe diese Eule irgendwann nach Athen zu tragen. Aber jetzt muss ich zuhören. Irgendwas wird wichtig.
Eine Mitarbeiterin kommt raus. Sie kennt diesen Stephan und bietet uns Kuchen an. Dann bringt sie uns kichernd den Kuchen. Marmorkuchen oder sowas. Alle betatschen jetzt den Kuchen um zu prüfen, ob er glasiert ist. Wir kommen zu dem Schluss, dass er es nicht ist. Zur Strafe muss er vernichtet werden. Ich mache es mir zur Aufgabe ihn aufzuessen. Nichts darf übrig bleiben. Das wirkt unhöflich. Und ich will ein guter nicht- zahlender Gast sein.
Genug rumgesessen. Wir wollen weiter. Einfach so. Stephan bleibt da.
Am Fotoautomat kommen wir zum Stehen. Er funktioniert nicht. Frustration. Nie funktioniert irgendwas, wenn ich es gerade will. Nie. Wir rufen einen Freund an, der auf dieser Schwulen- Lesben- Party abhängt. Und weil wir nichts zu sagen haben, rufen wir ihn auch zu Hause an.
Er geht ran. Kurzes sinnloses Gelache und Gerede. Sie seinen nicht auf die Party gekommen. Konnten sich nicht ausweisen. Auflegen. Da stehen Weingläser. Wir brauchen sie. Denn jeder braucht mal Weingläser.
Rüber zur Tanke. Muss an Linus Volkmann denken, der hier sein kotzfreies Jahr beerdigt hat.  Bier kaufen.
Wir setzen uns vor den Grünen Jäger aufs Gras. Es wird heller. Den Sonnenaufgang an der Elbe angucken. Das wäre jetzt das Richtige. Das braucht man an so einem Abend. Noch ist Abend. Weil die Nacht habe ich nicht mitbekommen und morgen ist erst nach dem Aufstehen. Jetzt weiter. Verpedert wird später.
Die Sonne wird nicht ohne uns aufgehen. Da sind wir uns sicher.
Über den Kiez. Idiot mit kleinem Schwanz pisst auf ein Auto. Opel. Kommt nicht aus Hamburg. Selber Schuld. Hätte er erwarten müssen.
Dann endlich beim Park Fiction. Wir legen uns hin und plötzlich ist es Tag. Es ist hell. Halb sechs. Bin seit 24 Stunden wach. Beschließe, dass das gut ist. Wie sowieso gerade alles gut ist. Sogar die Gentrifizierung ist gerade okay. Meine Freundin ist da und lacht. Die Sonne macht mit. Und es sind sogar Kekse am Start. Was braucht es mehr. Alles ist gut.
Sechs Uhr. Beschließen, dass es auch mal reicht. Man kann ja nicht immer nur gut drauf sein. Was soll die Depression von uns denken. Ab nach Hause. Weinen. Aber flott.
Runter in den S- Bahnhof. Reeperbahn. Hier ziehen die Leichen zum Lachsen herauf. Und das Elend zieht schon längst niemanden mehr runter.
Mir ist kalt. Bin immer noch im Hemd unterwegs. Krame nach meinem iPod. Kekse. Kekse. Kekse. CDs. CDs. CDs. Was da alles drin ist! Wow!
IPod fällt herunter. Bücke mich. Labello und CD fallen aus der Tasche. In die Kotze. Scheiße. Einfach schnell einpacken. Noch dreimal umdrehen. Gucken ob alles eingepackt ist. Sieht gut aus. Mann stellt sich neben mich. Er hat eine Flasche Wasser und ich einen Mega- Brand. Schaue jedem Schluck beim herauskommen aus der Flasche zu. Will ihn ansprechen. Will auch was! Ich will! Bahn kommt.
Umsteigen.
Warte auf die Bahn und besinge diesem Abend.
Steige in die Bahn und versuche zu schlafen. Keine Chance. Es wird laut. Schaue mich um.
Eine Frau vor mir beschimpft vier Männer auf englisch. Sie sollen endlich ihre Fressen halten. Jetzt  schreien sie sich an.
Und ich? Ich fange an in der dritten Person zu denken, dachte sie. Das hatte sie jetzt nicht erwartet, denkt sie.
Sie hört genauer hin.
„You’re all eating just Peanut- Butter. The hole day. FUCKING PEANUT- BUTTER!“, sagt einer der Männer.
„And then the fucking Peanut- Butter Ghost comes out and shits in your head. IN YOUR HEAD!“
Ich lache, dachte sie. Erdnussbuttergeist. Sie fängt wirklich hysterisch an zu lachen. Alle starren sie an, aber sie kann nicht anders. Die Vorstellung eines Erdnussbuttergeistes ist wahnsinnig komisch. Der Mann, der mit seinen Freunden aus Schweden hier Urlaub macht, erklärt ihr nun Erdnussbutter und vergleicht sie mit Nutella. Ein Schlüsselreiz für sie. Sie erklärt nun das Rosaglitzereinhorn und scheiß drauf, ob das jemanden interessiert!
„You can mix Peanut- Butter and Nutella.“
Wow, denkt sie, wenn man Erdnussbutter und Nutella mischt, ist es doch Snickers. Sie sagt es nun auch. Alle lachen.
Jetzt muss sie aussteigen. Braucht Frühstück. Edeka öffnet erst in 45 Minuten. Egal. Besser als nach Hause zu fahren.
Kaufland macht schon in 15 Minuten auf. Locationwechsel. Schnell.
Wie viele Leute morgens um 7 Uhr sich im Kaufland tümmeln. Wirklich unglaublich. Bestimmt fünf Leute. An einem Samstag! Um 7 Uhr. Das ist allerhand. Frühstück: Mettbrötchen. Sie kauft alles ein. Auch Zwiebeln. Die Brötchen sind nicht warm. An einem Samstag Morgen um 7 Uhr sind die Brötchen nicht warm. Nahezu kalt. Da stimmt was nicht. Die sind nicht frisch. Werde feilschen. Will sie zum halben Preis mitnehmen.
Dann jetzt noch Chips. Und Schokolade! Auf dem Weg durch die Regale singt sie schon wieder. Die Welt ist aber auch ein geiles Stück Gedings. Ganz toll.
An der Kasse muss sie selber die Zwiebeln abwiegen. Sie glaube, es hackt, denkt sie!
Jetzt noch eine Streuselschnecke. Schnell. Sie braucht Elektrolyte!
Ab nach Hause. Schlafen denkt sie.
Aber eigentlich denkt sie nur an die Streuselschnecke. Denn Streuselschnecken sind Liebe. Richtige Liebe.

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