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Wohnungshölle war gestern.


Habe heute einen neuen Mietvertrag unterschrieben und war so euphorisch, ich hätte sogar die Zeugen Jehovas zum Kaffee eingeladen. Das Gute im Menschen, ich glaubte es sehen zu können.
Das ist jetzt einige Stunden her und ich hatte schon wieder Zeit melancholisch zu werden.
In diesem Wohnheim habe ich nun drei Jahre verbracht. Meine erste Zeit so als Ausgeflogene. Ein neues Stück Freiheit.
Im Umziehen bin ich wohl ein altes Häschen. Das ist mein achter Umzug in diesem noch kleinen Leben. Als Kind fand ich Umzüge schon enorm spannend, irgendwann wurde es mir aber zu bunt. Mein Vater bekam verlässlich alle drei Monate die fixe Idee räumlich eine Veränderung zu brauchen. Ganz früher wurden Wohnungen gewechselt. Irgendwann nur noch Zimmer und Einrichtungsgegenstände. Als einzige und Jahre später einzig einsetzbare Tochter musste ich immer mithelfen.
Es hat mich immer genervt bei allem dabei sein zu müssen. Aber ich profitiere auch davon.
Ich weiß ganz genau was ich jetzt tun muss und was wichtig ist. Und vor allem macht mir diese räumliche Veränderung keine Angst.
Ich konnte noch nie diese Leute verstehen, die ihr ganzes Leben an einem Ort verbringen. Diese Menschen gibt es ja vor allem auf dem Land. Meistens verlassen sie nicht mal den elterlichen Hof. Dass eine Heimat eine gewisse Art Sicherheit gibt, kann ich nachvollziehen, aber sperrt sie nicht auch ein? Wie ein Vogel im Käfig sehen sie von außen aus. Sind nicht mal in der Lage die Flügel zu spreizen. Was wissen sie schon von dem, wie das Leben da draußen auch sein kann? Ganz heimlich wünsche ich mir aber auch manchmal so zu sein. Mehr Kind als Erwachsene. Sich nicht älter fühlen müssen, als man wirklich ist.
Ich jedenfalls habe diese Heimat nicht. Oder ich habe sie nur noch nicht gefunden. Im Moment fühlt es sich aber so an, als könnte Hamburg zu einer werden. Ich will hier nicht weg. Manchmal bekomme ich Fernweh und will alle Zelte abbrechen. Wieder nach Berlin oder ganz woanders hin. Aber das auch nur für kurz. Dann fahre ich an den Hafen und weiß, ich bin irgendwo angekommen.
„In Städten mit Häfen haben die Menschen noch Hoffnung.“
Bernd Begemann

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2 Kommentare zu “Wohnungshölle war gestern.

  1. Ich bin manchmal schon ein wenig neidisch auf die Menschen, die sich so zugehörig zu einem Ort fühlen. Das ist bestimmt irgendwie auch schön und beruhigend, zu wissen, dass man irgendwo so lange wie möglich bleiben will. Ich weiß immer, dass ich lieber gehen möchte, aber bislang kehrte das Gefühl dann irgendwann wieder. Ob sich das mal ändert?
    Liebe Grüße!

  2. Nagel von Muff Potter sagte mal „Für den Heimatlosen ist Heimweh der Motor für die Flucht nach vorn.“ und das hat er sehr schön gesagt.
    Vielleicht müssen wir uns unsere Heimat selber erschaffen. Und vielleicht wird ein Ort auch erst dann zur Heimat, wenn es Menschen neben uns gibt, die ihn als Heimat erkennen und immer wieder kommen. Die einen haben die Heimat, die anderen kommen zu ihr.
    Vielleicht ist aber auch alles ganz anders.

    Grüßen der lieb gemeinten Art.
    Larissa.

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