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Alles neu.


Ich habe Schnupfen und Husten und bis vorgestern hatte ich auch noch Fieber. Das war so wie es sich anhört. Und nebenbei verschlampte das Amt der Baugenossenschaft Unterlagen zurückzuschicken, sodass einen Tag vor dem Einzug niemand wusste, ob ich die Schlüssel für die Wohnung nun wirklich kriegen werde. Die Kindergeldstelle entschied sich mein Geld zu stoppen und meinen Fall zu überprüfen. Einfach so.
Die letzten Sachen mussten gepackt, die Wände gestrichen, der Teppich und die hausinternen Möbel gründlich gereinigt werden. Da darf das Immunsystem schon mal versagen und versuchen den rollenden Zug noch zu stoppen. Es blieb bei dem Versuch.
Ich strich und gab mein bestes den, bestimmt denkmalgeschütztem, Dreck aus der Wohnung zu schrubben.

Dann der Tag des Umzugs. Tom und Jerry brachten den Umzugswagen. Zu spät.  Die Planung kippt. Während Schmunzelmonster mit Tom und Jerry den Wagen belud, machte ich mich auf den Weg einmal quer durch die Stadt um beim Hausverwalter die Schlüssel abzuholen. Ich hatte dafür noch genau eine Stunde Zeit.  Und Zeit ist ja bekanntlich das einzige, was sich nicht aufhalten lässt. Nie und durch nichts. Schmunzelmonster gab mir meine Tasche und sagte: „Ich hab dir einen Apfel eingepackt. Falls du zwischendurch Hunger kriegst.“ Ich starre sie an. Sie wäre eine gute Mutter. Aber sie ist eine noch bessere beste Freundin. Und Mütter sind keine Freundinnen. So viel ist klar. Frauen, die ihre Mutter als beste Freundin bezeichnen, kauften auch Spitznamen wie „Hasenpfötchen“.
In den letzten zehn Minuten erreichte ich den Hausverwalter und erhielt die Schlüssel für den Ort, der mein Zuhause werden sollte.

Angekommen war ich verzückt.
Die Aussicht. Man sieht Felder mit Schafen drauf in nicht weiter Ferne. Bestimmt gibt es hier noch anderes Getier. Ich bin mir nicht sicher, glaube aber von hier aus  Wasser zu sehen. Ob ich mal herausfinde wie es wirklich ist, weiß ich noch nicht. Gefällt mir doch die Illusion. Andererseits habe ich mich in Uelzen schon immer an den Elbe Seitenkanal zum Schreiben zurückgezogen.

Dann ein Blick nach links und wenn ich wollte könnte ich nun in die Fenster meiner Nachbarn gucken. Und wenn ich das kann, können die das auch. Es müssen Gardinen her.
Ich habe nun endlich eine richtige Küche. Eine mit Tür dran und mit einem Herd und großer Arbeitsplatte drin. Sogar eine richtige Spüle habe ich. Im Studentenwohnheim hatte ich nur eine Kochplatte, eine ganz kleine Fläche zum Sachen abstellen, denn arbeiten konnte man daran nicht. Und ich hatte keine Tür. Die Küche war also vom Wohnraum nicht abgetrennt was mich verzweifeln ließ, wenn sich Knoblauch in mein Essen schlich. Aber das hat nun ein Ende.
Ich habe sogar eine Abstellkammer und ein großes, gepflegtes Bad. Kein archäologischer Dreck. Wundervoll.

Erschöpft lege ich mich auf den Fußboden des leeren Raumes. Das muss man tun bevor er voll wird. Auch ist der Raum auf Schall zu untersuchen. Das lernte ich als Kind bei verschiedenen Umzügen.  Schätze das macht man um herauszufinden, ob der Raum auch wirklich leer ist. Ich liege also auf dem Boden und beschließe, dass dies nun mein Zuhause sein wird. Für lange.

Als ich vor Langeweile beginne mir psychedelische Muster mit einem Kugelschreiber auf den Bauch zu malen, klingelt mein Handy und Team Umzugswagen ist da.
Nach einmal mitten im Verkehr liegen bleiben, haben sie es geschafft. Und sie sind auch geschafft.  Nach kurzer Zeit ist auch der Umzug geschafft und das Zimmer voll. Ich esse den lieb gemeinten Apfel und feierlich werfen wir zur Freude aller Nachbarn das Apfelgerippe aus dem Fenster.
Ich bin angekommen.

Heute fühle ich mich gut, trotz anhaltendem Husten und Schnupfen.
Ich freue mich aufs Rumstreunen. Neue Menschen, neue Umgebung und gleich ein ganz anderes Lebensgefühl. Der ganze Rotz ist ab. Das ist hier ist so richtig meine Wohnung. Ohne hässliche Möbel, die mir nicht gefallen. Ohne die immer selben Gesichter, die in der Gegend rumlungern.
Hier scheint der richtige Ort für den Neuanfang zu sein, den ich brauche.
Alles neu.

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