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Zitronensüß.


Wir saßen oft im Auto. Mein Vater und ich. Hier hatte man Ruhe. Das damals laute Kleinkind gab es hier nicht. Der saß zu Hause mit meiner Mutter.
Mein Vater hatte das Steuer in der Hand. Er bestimmte die Richtung. Das gab ihm Sicherheit. Im Auto wurde stets diskutiert. Er diskutierte. Man selbst brauchte oft gar nichts zu sagen. Er verfing sich in einem Monolog. Meist über meine, seine, unsere Zukunft, die Fehler, die ich mache und die er machte und ich nie machen sollte. Zwischendurch nickte man oder bejahte was er sagte. Für einen Widerspruch hatte man nicht die Zeit, die Muße, den Mut.

Wir saßen im Auto.
„Du liest viel zu viel, Larissa.“
„Andere Eltern sind froh, wenn ihre Kinder mehr lesen würden…“
„Aber du musst doch auch mal selber da raus gehen und Abenteuer erleben. Nicht immer nur in der zweiten Reihe sitzen und zuschauen. Damals als ich…“

Der anschließende Dialog erstreckte sich über eine Strecke von 35 Kilometern. Ich saß mit den ewig verschränkten Armen eines Teenagers auf dem Beifahrersitz. Im Kopf war ich bei dem Termin, zu dem ich gerade gegen meinen Willen gefahren wurde.

Jetzt bin ich 22 Jahre alt. Ich dachte, ich hätte noch so viel Zeit um meinen Eltern Recht zu geben und könnte noch lange die verschränkte Arme aufrecht erhalten. Doch, was ist das bitte für ein wunderschöner und irgendwie auch wahrer Satz?

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