Ein Kommentar

Alltagsrassismus.


„Hallo. Könnten Sie mir… ach nee, ich frage lieber Sie.“ Wir befinden uns in einem Möbelhaus. Die Kundin richtet die Frage an meinen Kollegen, sieht mich und stellt ihre Frage lieber an mich. Mein Kollege ist dunkelhäutig und ich bin so hell, dass ich fast reflektiere. Das ist keine Ausnahmesituation. Das passiert öfter. Mal so auffällig wie hier und mal weniger auffällig. Im Falle von heute so auffällig, dass ich 2 Stunden lang wütend war.
Ein Mann kommt ganz gehetzt und genervt auf mich zu.
„Sie haben da hinten so eine Plane und ihr Kollege da kann ja kaum deutsch. Keine Ahnung was der mir da erzählt hat! Versteht man ja kein Wort, wie man sowas einstellen kann! Jedenfalls schickt er mich hier her, hat ja auch keine Ahnung der Typ und jetzt will ich die haben.“
„Hallo erstmal. Weißt du was über so welche Planen, ich weiß sowas ja nicht.“
Mein Kollege kommt von der Leiter und dem Mann wird sichtlich unwohl.
„Wissen Sie, dass Sie meinen Kollegen nicht verstanden haben, tut mir leid, aber er hat es immerhin versucht und gut gemeint. Die Planen finden Sie vor den Kassen.“
„Sie brauchen nicht eingeschnappt zu sein, weil ich das gesagt habe. Ich bin nur sauer, dass ich hier so rumgeschickt werde! Das ist alles meine Zeit!“

Vor ein paar Wochen haben wir darüber gesprochen bei solchen Ansprachen die Beratung abzulehnen. Ich ärgere mich noch immer es nicht gemacht zu haben. Mein Kollege hat alles richtig gemacht in dieser Situation. Warum es nur immer dazu kommen muss, ist mir schleierhaft.

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Ein Kommentar zu “Alltagsrassismus.

  1. Bei uns genauso. Obwohl die Kunden uns nicht sehen, sondern nur am Telefon haben. Sie hören einen Aktzent und verfallen reflexartig in den „du nix deutsch, du mich nix verstehn“-Modus:
    „Also ich hatte da ja eben eine Kollegin am Telefon, also ich bin ja wirklich nicht ausländerfeindlich,aber die konnte ja kaum deutsch und hat gar nicht verstanden, was ich will.“
    „Gute Frau, ich weiß zufällig, mit wem Sie gesprochen haben und die Kollegin spricht sehr gut deutsch, nur eben mit einem Akzent. Und verstanden, was Sie wollen hat sie auch sehr gut, sie hat es nämlich schon in aller Ausführlichkeit an die zuständige Abteilung weitergeleitet.“
    „Oh, ach so, ja also so hab ich das natürlich auch gar nicht gemeint, das sagte ich ja schon…“
    „Hmmmm, ja klar.“

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