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Reisetagebuch Tag 1 Norderstedt -> Szczecin (Stettin)


Wie immer kurz bevor wir für längere Zeit das Haus verlassen, überkommen mich Zweifel, ob das alles so richtig ist. Ob das Spaß machen wird und wie die Katze sich ohne uns beschäftigen wird.
Wie sind die Menschen in Polen wohl drauf? Spricht man besser deutsch oder englisch? Versteht mich da überhaupt jemand und ist es zu Hause nicht eh am schönsten? Hier wo man weiß wie der Hase läuft?
Unsere Reise scheint nicht an einer Autopanne oder einem etwaigen Diebstahl zu scheitern, sondern daran, dass unser Navigationssystem, welches überlebenswichtig ist, die Adresse unseres Hotels nicht kennt. Kein gutes Omen. Gar kein gutes Omen. Lieber wieder aussteigen und daheim eine neue Serie am Stück durchgucken.
Wir peilen die größere Nebenstraße des Hotels an und die Fahrt startet.
Wir haben den Landkreis Segeberg noch nicht hinter uns gelassen, da wird mir wieder bewusst, dass die Aufgabe des Beifahrers grundlegend unterschätzt wird. Immer werden wir wie stumpfe Rumsitzer behandelt. Dabei sind unsere Aufgaben vielfältig. Wir müssen den Fahrer auf Befehl mittels Keksen, Bifi, Getränken und Gesprächen bei Laune halten. Beim links abbiegen, sowie in schwierig einzusehenden Situationen, übernimmt der Beifahrer unaufgefordert die Verantwortung über Leib und Leben, indem er zwischen „ist frei“ und „da kommt was“ entscheidet.
In weiser Voraussicht habe ich mittels Spotify einen 5 Stunden Megamix zusammengestellt.
Während er 90er Jahre Hamburg HipHop am Steuer performt und tut was ein Fuchs tun muss, zieht die Autobahn an uns vorbei. Nach 3,5 Stunden werden wir am Grenzübergang gestoppt. Ein VW- Bus der Bundespolizei versperrt mit Nageldraht den Weg. Wir weichen, wie befohlen, auf einen Parkplatz aus, lächeln den Polizisten an und dürfen weiter fahren. Offensichtlich ist die Grenze doch noch offen und Europa noch existent.
Plötzlich sind die Straßenschilder viel größer, manchmal stehen drei in kurzem Abstand hintereinander. Der Kreisverkehr besteht aus vier Spuren und statt Ampeln setzt man hier auf Zebrastreifen. Ohne zu schauen setzen alte Damen ihren Fuß auf den Zebrastreifen der vierspurigen Straße und wollen die Straße überqueren. Wir bleiben abrupt stehen, denn diese Frauen wissen noch wie man Waffen bedient. Reizüberflutet knabbern wir an unseren Bifis und hoffen, dass wir bald beim Hotel ankommen. Szczecin begrüßt uns mit viel Reklame und den typischen Ostblockplattenbauten. Wir nähern uns der Innenstadt und zusätzlich zu dem Gewusel auf den Straßen gesellt sich auch noch die Straßenbahn dazu. Noch zwei Kreisverkehre und wir sind angekommen. Wir checken ein und parken unser Auto in der Tiefgarage. Nun erstmal ankommen und durchatmen.
Das Problem bei manchen Badreinigern ist ja, dass sie von Natur aus nach Urin riechen. Ich gehe also davon aus, dass unser Zimmer nach Badreiniger riecht. Für alles andere ist es doch zu sauber. Das Zimmer kann etwas, das unser Zimmer in London nicht konnte. Es ist abschließbar.
Was die Zimmer gemeinsam haben: Es gibt keine Klobürste. Was hat man nur gegen dieses humor- und sinnvolle Badaccessoire? In Hamburg erfreut sie sich aus vielfältigen Gründen großer Beliebtheit. Und wie macht man das ohne? Ist doch ekelhaft.
In Szczecin haben die Einkaufszentren auch sonntags geöffnet. Der Hunger treibt uns ins nächstgelegene Shoppingcenter. Als Frau in Szczecin trägt man gerne Rock und mag neonfarben. Die beliebteste Frisur ist ein Pferdeschwanz, der auf dem Kopf antennenartig gebunden wird. Als Mann mag man Jogginghosen und Kapuzenpullover. Die Kapuze muss dabei immer aufgesetzt werden. Auffällig ist, dass man sich gern tarnt. Camouflage ist ein beliebtes Accessoire. Auch als Wickeltasche.
Wir gehen hinunter zum Hafen. Der Mann meckert immer auf dem Hamburger Hafen rum. Der sei doch nicht schön. Diese Industrieromantik immer. Jetzt stehen wir hier an einem richtigen Industriehafen, an dem nichts los ist und wir wissen, dass unser Heimathafen etwas besonders ist. Die Kräne stehen still. Die Farbe ist altes weiß und Rost und kein Schiff ist in Sicht.
Nach unserem kurzen Ausflug durch Szczecin sind wir ernüchtert. Wirklich willkommen geheißen hat uns diese Stadt nicht. Viel Beton und viel Ostcharme. Wir haben es erwartet, aber nicht gehofft. Morgen gucken wir uns das alles noch etwas genauer an. Vielleicht haben wir die guten Sachen ja noch gar nicht gesehen.
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Alles was man zum tarnen braucht, gibt’s hier.

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Blick auf die Jacobikirche vom Hafen aus.
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Der Hafen
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Noch ein Stück Hafen.
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Hier hat es sich ausgetanzt.

Hier gehts weiter mit Tag 2

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