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Ein Mann. Eine Wahl.


Ein wenig ertappt habe ich mich gestern gefühlt, als ich meine Wahlberechtigung aus dem Briefkasten zog. Oberbürgermeisterwahl. Ende des Monats. Wie sieht der amtierende OB eigentlich nochmal aus? Alt und grau. Soviel steht fest.
Als ich vor drei Jahren hierher zog, dachte ich beim Hochtragen der Kartons auch daran, dass ich nun in einem anderen Bundesland wohne und was ganz anderes wählen muss. In Hamburg hatte ich Orientierung über gut/ böse und wählbar/ unwählbar und Nazis. Dass ich mich da unbedingt informieren muss, dachte ich mir. Und nun drei Jahre später schaue ich noch immer jeden Abend Hamburg Journal, beschäftigt mich Hamburger Politik, ärgerte ich mich darüber nicht gegen Olympia abstimmen zu können.
Hier in Norderstedt habe ich nicht das Gefühl, dass irgendwas schief läuft. Draußen ist es schön, man könnte nackig nachts nach Hause gehen und das einzige was passieren wird, ist das dir jemand ein Handtuch bringt. Sogar in den Ämtern ist es nett, das Lokalfernsehen berichtet vor allem über Spendenläufe, Vereine und andere gemeinschaftliche Themen. Und über Einbrüche. Aber was kann ein Oberbürgermeister dagegen machen? Soweit ich es mitkriege, geht es hier sogar den Flüchtlingen gut und es werden einige weiterführende Unterkünfte in der Stadt gebaut. Soweit so toll.
Oberbürgermeister Grote scheint hier also alles voll im Griff zu haben. Was bieten denn die anderen Kandidaten? Wofür stehen sie und vor allem, welcher ist nicht in der CDU?
Google an. „Oberbürgermeisterwahl Norderstedt Kandidaten“:
– Grote
– Grote
– SPD stellt keinen Kandidaten. Klick.
Die SPD ist so zufrieden mit Herrn Grote, dass sie dieses Mal auf eine eigene Kandidatur verzichten. 
„Der Oberbürgermeister ist in erster Linie Chef der Norderstedter Verwaltung mit ihren etwa 1.200 Mitarbeitern“, erklärt die SPD Vorsitzende. „Wir haben in den vergangenen 18 Jahren sachgerecht und ergebnisorientiert mit Herrn Grote zusammen gearbeitet und gehen davon aus, dass dies auch zukünftig so sein wird.“

Ich wähle also die Abteilungsleitung? Den Stromberg der Verwaltung? Einen Job, den scheinbar außer Herrn Grote niemand ausführen will.
Ich suche weiter, doch ich finde nichts. Verwirrt rufe ich im Wahlamt an und lasse mir meine leise Ahnung laut bestätigen. Es tritt nur Hans- Joachim Grote zur Wahl an.
„Was wähle ich denn dann auf dem Zettel? Ja oder nein?“, frage ich.
„Ja.“, sagt der Mann aus dem Amt.
„Nur „ja“? Das ist doch verfassungswidrig! Erich hörst du das?“
„Zwischen ja und nein!“
„Achso. Danke.“

Tatsächlich. Sogar in dem 1000 Seelen Dorf meiner Eltern findet sich alle paar Jahre jemand, der sich in einer schwachen Minute in die SPD eingetragen hat und als einziger Vertreter der Partei zur Wahl tritt. Es gibt sogar unparteiliche, die aus irgendwelchen Gründen (meist Rachegefühle) sich zur Wahl aufstellen. Auch wenn es aussichtslos ist.
Und hier? Hier weht eine Wüstenhexe durchs Rathaus. Ist Grote der, der als letzter einen Schritt zurück getreten ist, als jemand „Wer will?“, fragte.

„Und mal angenommen, der Großteil wählt „nein“?“
„Da müssen Sie dann in den Wahlbestimmungen nachlesen.“, sagt der Mann aus dem Wahlamt.
Sie sind auf diesen Fall scheinbar gar nicht vorbereitet. Warum auch?

Obwohl er niemanden zu bekämpfen hat, stellt H-J Grote riesige Plakate mit seinem Gesicht auf. Wahrscheinlich nur, damit alle wissen, dass überhaupt Wahl ist!
„OB Grote startet Wahlkampf“, titelt NOA4 in den Nachrichten.
Wahlkampf? Kampf? Gegen wen? Was muss das für ein Gefühl sein, nur für sich und gegen niemanden zu kämpfen? Hat das ein Politiker verdient? Ist das nicht das gleiche, wie Eisbären allein im Käfig zu halten?
Warum tut OB H-J Grote sich das an? Weil er sein Büro nicht ausräumen will? Kann ich verstehen. In 18 Jahren sammelt sich ja auch einiges an. Zur nächsten Wahl wird es wohl interessanter. Dann ist Herr Grote 67 Jahre alt und will in Rente gehen. Vielleicht wird dann an den Urnen gewürfelt!

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2 Kommentare zu “Ein Mann. Eine Wahl.

  1. Das ist wahrscheinlich so, wie wenn man jahrzehntelang in derselben Wohnung wohnt und allein deshalb nicht umziehen mag, weil man dann so viele Dinge in Kisten packen müsste. So wie bei meiner Katzennachbarin. In 18 Jahren sammelt sich ne Menge an, da bleibt Herr Grote lieber in seinem Büro sitzen. Bis sie ihn irgendwann raustragen.

    • Ja, so stelle ich mir das auch vor. Was da auch zum Vorschein kommen kann!Konfetti von der letzten Wahlparty, der Hamster der Tochter, der vor 16 Jahren spurlos verschwand und und und. Kennt man doch von Umzügen.

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