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Vielleicht ein Neuanfang.


Heute passiert es. Ich gehe da rein und stelle mich mir. All meinen Unzulänglichkeiten. Ich miste jetzt mal richtig aus.
Als ich vor einem Jahr die Psychotherapeutin aus der Klinik,die ich besuchen durfte, am Tresen des Möbelgeschäfts wiedertraf, konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich ihr heute wieder gegenüber sitzen werde.

Ich bin aufgeregt. Bin ich überhaupt krank genug für eine Therapie? Spinne ich nur etwas? Stelle ich mich nur an?  Wenn ich meine Unsicherheit überspiele, finden mich doch alle ganz liebenswürdig. Wie ich so die Augen aufreiße und in der Tonlage eines Kindes spreche. Liebenswürdig, niedlich, putzig. Klingt doch gar nicht schlimm.

Sie bittet mich rein und ich darf mir einen Stuhl aussuchen. Ich setze mich auf die Seite mit den Taschentüchern, das scheint mir sinnvoll.
„Ja.“, sagt sie ausatmend, rutscht sich auf ihrem Stuhl in Position, drückt die Mine des Kugelschreibers aus dem Stift und schaut mich an.
Ich lächle und nicke. Diesen Moment konnte ich noch nie leiden. Warum kann sie mir keine Frage stellen. Ich bin doch hier um alles zu erzählen. WO soll ich denn nur anfangen?
„Ich…. ich kann mich gerade nicht ertragen und brauche Hilfe.“, schleudere ich die Worte nur so aus mir raus.
Sie nickt, lächelt und das Gespräch nimmt seinen Lauf.
Ich erzähle mich die nächsten 50 Minuten wund. Versuche alles was mich quält aus mir rauszulassen. Manchmal hakt sie nach, sie hilft mir meine Worte bewusster zu wählen, dadurch werde ich mir meiner Gefühle bewusster.
Ich kann all die Dinge erzählen, die mich beschäftigen und mir das Leben schwer machen, ohne, dass jemand lacht, die Augenbraue hochzieht, mir sagt, ich solle mich mal nicht so anstellen, schließlich wäre jeder mal traurig.
Sie nickt nur, hakt nach und ich muss mich für nichts schämen. Hier ist mein Irrsinn meine Realität. Der einzige, der hier bewerten darf, bin ich.
Nach 50 Minuten beenden wir das Gespräch und sie fragt, ob ich Fragen habe.
„Meine einzige Frage, kann ich mir selbst beantworten.“, sage ich.
„Und?“, fragt sie.
„Ich frage mich, ob ich mich nur anstelle oder ob ich wirklich ein Problem habe. Aber wenn ich nicht zufrieden bin, dann habe ich doch ein Problem.“
„Leiden Sie?“
„Ja.“
„Dann ist doch alles klar. Wir sehen uns nächste Woche.“

Ich hab im Gespräch gesagt, ich hätte  vergessen wie sich glücklich sein anfühlt.
Als ich die Praxis verließ hatte ich so eine Ahnung.

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